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Sie sind hier: Lexikon - Wissenswertes zum Blutdruck - Was ist ein EKG?

Was ist ein EKG (Elektrokardiogramm)?

Zu den Untersuchungen, die im Rahmen einer Bluthochdruckdiagnose häufig durchgeführt werden, gehört das EKG.

ElektrokardiogrammEKG steht als Abkürzung für Elektrokardiogramm. Aus dem Begriff ergibt sich, dass es irgendetwas mit Elektro und dem Herz (kardio) zu tun hat. Es handelt sich also eine Untersuchung des Herzens. Die Geschichte des EKGs reicht bis ins Jahr 1882 zurück, als es dem Physiologen Waller gelang, das erste EKG abzuleiten. Um 1900 herum wurde die Methode immer weiter entwickelt und verfeinert, um sie für die klinische Anwendung nutzen zu können. Im Jahr 1924 erhielt der Holländer Willem Einthoven den Nobelpreis für seine bahnbrechenden Weiterentwicklungen der Methode. Er gilt als Erfinder des EKGs.

Wie wird das EKG durchgeführt?

Für die EKG-Untersuchung muss der Oberkörper entkleidet werden sowie Unterarme und Unterschenkel zugänglich sein, da hier die EKG-Elektroden aufgeklebt oder über einen leichten Unterdruck an die Haut angesaugt und auf diese Weise befestigt werden. Beides ist völlig schmerzfrei. Bei einer ausgeprägten Körperbehaarung werden die erforderlichen Stellen rasiert, um den Halt der Elektroden zu gewähren.

Welche EKG-Arten gibt es?

In der Arztpraxis kommen meist drei verschiedene Arten von EKG zur Anwendung: das Ruhe-EKG, das Belastungs-EKG und eventuell auch das Langzeit-EKG. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Arten, die vor allem in der Klinik oder im Rettungsdienst zur Anwendung kommen. Wir erklären die in der Arztpraxis gebräuchlichsten Varianten.

Ruhe-EKG
Ein Ruhe-EKG wird im Liegen durchgeführt und dauert nur kurze Zeit. Der Patient liegt entspannt auf der Untersuchungsliege und die Elektroden werden angebracht. Nach einer kurzen Wartezeit, um den Patienten zur Ruhe kommen zu lassen, wird das EKG geschrieben.

Belastungs-EKG
Das Belastungs-EKG bildet die Herzaktivität unter Belastung und der darauffolgenden Phase ab, bis der Ruhezustand wieder erreicht ist. Der Patient sitzt hierzu meist auf einem Fahrrad-Ergometer (Standfahrrad), wird ebenfalls mit den EKG-Elektroden versehen und beginnt dann, Fahrrad zu fahren. Die Belastung erhöht sich in festgelegten Intervallen, bis die individuelle Belastungsgrenze erreicht ist - danach folgt die Ruhephase. Während der gesamten Zeit wird das EKG aufgezeichnet, um die Herzaktivität unter Belastung sowie auch in der folgenden Ruhephase beobachten zu können.

Langzeit-EKG
Das Langzeit-EKG ist ein kleines Kästchen, das mit Kabeln mit den Elektroden verbunden ist. Diese werden am Oberkörper des Patienten aufgeklebt. Er bekommt das Gerät dann umgehängt oder umgeschnallt und trägt es ununterbrochen bis zum nächsten Tag. Während dieser Zeit wird das EKG aufgezeichnet. So kann der Arzt sehen, wie das Herz im Tragezeitraum gearbeitet hat.

Was wird bei einem EKG aufgezeichnet?

Kurz vor jedem Herzschlag bildet sich in unserem Herzen eine elektrische Erregung, die sich wie eine Welle über die verschiedenen Regionen im Herz ausbreitet und so die Muskelfasern des Herzens veranlasst, sich zusammenzuziehen. Dies wird als Erregungsleitung bezeichnet.
Diese schwachen Ströme lassen sich mittels der Elektroden auf der Haut messen und über das EKG-Gerät als Linien, Wellen und Zacken - der sogenannten EKG-Kurve - sichtbar machen. Die EKG-Kurve bildet auf diese Weise den Ablauf der Erregung im Herzen ab.
Durch das in den meisten Praxen gängige 12-Kanal-EKG, bei dem insgesamt zwölf Elektroden auf dem Oberkörper und an den Armen und Beinen angebracht werden, lassen sich zwölf verschiedene Ableitungen abbilden, die eine hohe Aussagekraft haben.

12-Kanal-EKG

Was sieht der Arzt auf einem EKG?

Zuerst einmal ist der Herzrhythmus zu sehen - die mehr oder weniger regelmäßige Abfolge der Zacken. Hieran erkennt man auch, wie schnell das Herz schlägt. Die Formen und Abfolgen der Linien, Wellen und Zacken verraten dem Arzt noch einiges mehr über das Herz. Er kann die Erregungsbildung, -ausbreitung und -rückbildung beobachten. Hierüber kann er neben dem Rhythmus und der Herzfrequenz auch Rückschlüsse auf die Vorhöfe und Kammern des Herzens ziehen (ob das Herz vergrößert ist, ob ein akuter oder älterer Herzinfarkt vorliegt und dergleichen).

Dies macht das EKG zu einer wichtigen und äußerst aussagekräftigen Untersuchungsmethode, die den Weg zum weiteren Prozedere weisen kann.

EKG-Geräte für den häuslichen Gebrauch

Es sind verschiedene, sehr handliche EKG-Geräte erhältlich, die sich zur Anwendung durch den Patienten selbst eignen. Diese Geräte zeichnen über einen kurzen Zeitraum - meist etwa 30 Sekunden - den Herzrhythmus auf und geben zum Teil sofort Rückmeldung, ob Abweichungen vorliegen. Die meisten der Geräte arbeiten mit einer einzigen Ableitung, für die keine Elektroden geklebt werden müssen. Hier wird das Gerät zwischen den Händen, an den Brustkorb, an das Handgelenk oder an das Fußgelenk gehalten und kann so den Herzrhythmus aufzeichnen. Danach werden die Daten in eine App oder Software übertragen und können auf diese Weise dokumentiert und gegebenenfalls dem Arzt vorgelegt werden. Die Aussagekraft dieser 1-Kanal-EKGs ist begrenzt - sie eignen sich in erster Linie dazu, Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) zu erkennen.
Andere Geräte bieten die Möglichkeit, über ein mitgeliefertes Kabel und Elektroden ein 3-Kanal-EKG abzuleiten. Es bietet mehr Interpretationsmöglichkeiten, jedoch ist auch das Potenzial an möglichen Fehlerquellen durch das falsche Anbringen der Elektroden größer. Die Interpretation des aufgezeichneten EKGs obliegt dem Arzt, da hierzu die entsprechende Ausbildung sowie Erfahrung notwendig ist.

Quellen:


Alle Inhalte sind medizinisch-fachlich geprüft und werden mehrmals pro Jahr überarbeitet. Letzte Aktualisierung von Sabine Croci (10/2019).

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